Hüpfender Frühlingsbote

Die Geschichte rund um den Heugümper – erzählt von Toni Schuler

Verkauft ein Weinbauer sein Weingut, weiss man das hierzulande bereits, bevor die Verträge unterzeichnet sind. Auch in unserem Falle war das so. Da wird gemutmasst, getuschelt und jeder weiss etwas mehr als sein gegenüber. Ich habe das Glück, dass mich niemand kennt. Man spricht vom Ausländer. Ich werde nicht belästigt. Man lässt mich in Ruhe. In Ruhe? Nicht ganz!
Bereits die erste Gerüchtewelle legt meinen Telefonapparat flach. Der Klingelton-Tsunami lässt ihn kurzerhand verstummen. Fortan nehme ich Anrufe nur noch via Handy entgegen. Das ist kein kluger Entscheid. Denn jetzt kommen die Anrufer leibhaftig vorbei. Es sind Aussendienstleute und Berater. Sie Alle wittern vorteilhafte Geschäfte. Sie versuchen auf den behutsam anfahrenden Zug aufzuspringen. So auch die Weinbau Berater. Sie sind besonders hartnäckig.
Um nicht andauernd gestört zu werden, schicke ich sie hinaus in die Reben. «Seht Euch die Parzellen an und gebt mir Bescheid, welche Traubensorten ich inskünftig pflanzen soll!». Das Fazit ihrer Ratschläge überrascht mich. Man empfiehlt mir, Grenache blanc; Marsanne; Carignan und Mourvèdre auszureissen. Das sind allesamt hier beheimatete, einheimische Sortengewächse. An deren Stelle soll Chardonnay, Sauvignon blanc, Cabernet Sauvignon und Merlot gepflanzt werden. Ihr Ratschlag folgt damit dem allgemeinen Trend um die Jahrhundertwende.

Ich hingegen bin nicht hierhergekommen, um ausschliesslich Trend-Kopien zu keltern. Ich wünsche mir die Originale. Die einheimischen Sorten, gewachsen auf den ganz unterschiedlichen Böden von Fenouillet, umgeben von einem Mikroklima der besonderen Art. Doch meine Erfahrung gebietet mir, nicht alles über einen Leisten zu schlagen. Die vorhandenen Sauvignon blanc, Marsanne und Chardonnay werden nicht gerodet. Für Neupflanzungen hingegen kommen sie für mich nicht in Frage.
Ja, und so kommt es, dass ich Euch heute von unserem «Heugümper» berichten darf. Eine Cuvée aus Sauvignon blanc und Chardonnay. Gekeltert aus zwei Trend-Traubensorten der Jahrhundertwende. Die Rebstöcke sind mittlerweile 31 jährig. Wir haben sie gehegt und gepflegt. Sie bedanken sich mit herrlicher Qualität. Einheimisch geworden sind sie trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil. Mittlerweile sind sie hierzulande zu Exoten geworden. In den vergangenen zwanzig Jahren hat eine Rückwärtsbewegung stattgefunden. Die Trendsorten wurden durch die einheimischen, lokalen Traubensorten abgelöst. Es sind jene Sorten, mit denen ich meinen Rebberg erneuert habe. Und auch diese stehen nun in ihrem schönsten Alter von 20 bis 25 Jahren. Alljährlich darf ich Euch Kostproben davon anbieten.

Doch wieso ist der «Heugümper» ein spezieller Wein? Der Hauptanteil der Cuvée besteht aus Sauvignon blanc. Diese Traubensorte ist der Vater des Cabernet Sauvignon, einer der wichtigsten Traubensorten der berühmten Bordeaux-Weine. Sauvignon blanc ist aber auch die wichtigste Sorte der Weissweine aus dem Sancerre-Gebiet. Auf den dortigen mineralischen Böden gereift, ergeben sich knackig, frische, an Stachelbeere erinnernde Geruchs und Geschmacksnoten. Unseren Sauvignon blanc hingegen lassen wir im Herbst «laufen». Auf unseren Kalktonböden darf er sich bis nahe an die Grenze zur Überreife hin austoben. Derart ergibt sich ein konzentrierter beinahe zu vollmundiger Wein. Da bringen wir nun den Chardonnay ins Spiel. Durch seine Eigenart vermag er das Volumen des Sauvignon blanc aufzulockern. Das Resultat ist ein äusserst vielschichtiger Weisswein. Komplex, hingegen nicht überladen. Begleitet von einem Kaleidoskop von Geruchs- und Aromakomponenten. Ein Wechselspiel, das ich ganz besonders mag. Ein Wechselspiel, das mich zu einem erneuten Schluck veranlasst. “Un vin qui redemande”. Ich bin gespannt darauf, ob Ihr dieses Erlebnis mit mir teilen werdet 😊