Jetzt sind sie wieder da, die Wildschweine! Im Rudel von 20 – 30 Tieren stürmen sie unsere Rebenparzellen. Sie sind auf Wassersuche. Die heranreifenden Trauben mit ihrem süssen Saft bedeuten ihnen Flüssigkeitsersatz. Seit ungefähr einem Monat hat es hier nicht mehr geregnet. Die Tagestemperaturen sind sehr hoch. Daher sind die Schäden enorm! Wir entdecken sie jeweils erst frühmorgens. Wildschweine sind nachtaktiv und sie sind Allesfresser. Seit Jahren sperren wir ihnen den Zugang mittels Elektrozäunen ab. Doch dafür haben sie nur ein müdes Lächeln übrig. Sie sind äusserst flink, intelligent, kräftig und unempfindlich. Ein ausgewachsenes Tier wiegt bis zu hundert Kilo und mehr. Sie durchbrechen unsere Zäune und machen sich ungestört an die Arbeit.

Die Wildschweine sind hierzulande eine ernsthafte Plage. Der Mensch ist daran nicht unschuldig! Mit dem Ziel höherer Jagderträge wurde das Wildschwein vor Jahren mit dem Hausschwein eingekreuzt. Höhere Reproduktion ist die Folge. Zwei Würfe mit bis zu zwölf Frischlingen pro Jahr sind die Regel. Die fortschreitende, weitere Verbreitung grossflächiger Intensivkulturen, der Weinbau ist namhafter Teil davon, bietet eine zu einfache Nahrungsquelle und sie verdrängen den Lebensraum des Schwarzwilds und ihrer Beutetiere. Auch die Garrigue, das natürliche Zuhause der Wildschweine, verändert sich aufgrund der sich wandelnden klimatischen Bedingungen. Die Eichen tragen zusehends mehr Früchte. Eicheln sind für die Wildschweine ein Leckerbissen. Und da ist noch etwas! Es fehlt der natürliche Feind. Noch sind Bär und Wolf in den Pyrenäen zuhause. So kommt es, dass die Wildschweinpopulation in Frankreich explodiert. Man schätzt sie zurzeit auf 1 Mio. Tiere. Jährlich werden 750’000 erlegt. Zu spät! DIESE Massnahmen greifen nicht mehr. An riesige Ernteverluste, an Auto- und Zugsunfälle und Wildschweinerotten, die nachts durch Grossstädte bummeln, werden wir uns gewöhnen müssen.

Wir geben hier Gegensteuer! Wir sind der tiefen Überzeugung, dass wieder ein einigermassen funktionierendes Gleichgewicht zurück erarbeitet werden muss. Deshalb sind unsere Parzellen bewusst klein gehalten und in die Garrigue eingebettet. Die Biodiversität pflegen wir aktiv, in der Hoffnung, dass sich die Wildschweine dereinst ihre Nahrung in der Garrigue beschaffen, dort wo sie auch zuhause sind. Ein Tropfen auf den heissen Stein?? Die herrschende Trockenheit, die hohen Tagestemperaturen, das unbedachte Jagdsystem und die Industrialisierung der Landwirtschaft setzen uns Grenzen.

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